Einleitung: Wenn der Motor nicht zündet – warum Nickel unverzichtbar ist
Stellen Sie sich einen Hochleistungsmotor ohne Zündkerzen vor – er läuft nicht. Genauso geht es den Mikroorganismen in einer Biogasanlage ohne Nickel. Dieses Metall ist kein Hauptakteur, aber ein kritischer Mitspieler im Hintergrund. Es sorgt dafür, dass am Ende aus organischem Abfall energiereiches Methan entsteht. Doch wie genau funktioniert das? Und warum sollten Betreiber Nickel nie ignorieren?
Nickel: Der Schlüssel zur Methan-Formel
Nickel (chemisch Ni) ist ein Spurenelement, das vor allem für methanogene Archaeen – die „Methan-Bakterien“ – essenziell ist. Seine Hauptaufgaben:
Enzyme aktivieren – der Turbo für die Methanbildung
Das Schlüsselenzym Methyl-Coenzym M Reduktase (MCR) enthält Nickel in seinem aktiven Zentrum. Dieses Enzym ist verantwortlich für den letzten Schritt der Methanbildung: Es wandelt Acetat und Wasserstoff in Methan um.
- Ohne Nickel funktioniert MCR nicht – die Gasproduktion bricht ein.
Stoffwechsel beschleunigen – weniger Stau, mehr Gas
Nickel unterstützt auch andere Enzyme, die organische Säuren (wie Propionsäure) abbauen. So wird verhindert, dass sich giftige Zwischenprodukte ansammeln.
Nickel-Mangel: Wenn die Biogas-Produktion ins Leere läuft
Fehlt Nickel, gerät der Fermenter aus dem Takt. Typische Folgen:
- Sinkende Methanausbeute: Die Gasproduktion kann um bis zu 30 % einbrechen.
- Anstau von Acetat und Propionat: Der Fermenter „verstopft“, der pH-Wert sinkt.
- Instabilität: Die Anlage reagiert empfindlich auf Substratwechsel oder Störungen.
Praxis-Tipp: Viele Betreiber übersehen Nickel, weil Mangelerscheinungen oft schleichend auftreten. Ein regelmäßiger Check des Nickelgehalts im Substrat kann hier Abhilfe schaffen!
Nickel zuführen: So dosieren Sie richtig
Nickel kommt natürlicherweise in einigen Substraten vor (z. B. in Gülle oder bestimmten Pflanzen), doch häufig reicht die Menge nicht aus. Die Lösung: Gezielte Zugabe.
Anorganische Nickelquellen (z. B. Nickelchlorid oder Nickelsulfat)
- Vorteil: Kostengünstig und einfach zu dosieren.
- Nachteil: Geringere Bioverfügbarkeit – Mikroben können es schwerer aufnehmen.
Organische Nickelverbindungen (z. B. Nickel-Chelate)
- Vorteil: Werden schneller von Mikroben genutzt.
- Nachteil: Höhere Kosten.
Goldene Regel: Die Dosierung macht’s!
- Optimaler Bereich: 0,5–2 mg Nickel pro Kilogramm Trockenmasse im Substrat.
- Achtung: Überdosierung (ab ~5 mg/kg) kann toxisch wirken und Mikroben abtöten!
Erfolgsbeispiel: Wie Nickel eine Anlage rettete
Eine Biogasanlage in Bayern kämpfte monatelang mit schwankender Gasproduktion. Trotz optimaler Temperatur und pH-Wert sank die Methanausbeute. Eine Laboranalyse enthüllte: extremer Nickel-Mangel!
- Maßnahme: Zugabe von Nickelchlorid in genau berechneter Dosis.
- Ergebnis: Innerhalb von 3 Wochen normalisierte sich die Gasproduktion, die Ausbeute stieg um 22 %.
Funfact:
Nickel ist ein Hauptbestandteil der Legierungen von Rührwerk- sowie Pumptechnik. Aufgrund hoher Nickelwerte erkennst du, ob dein Substrat zu dick ist.
Nickel – der stille Dirigent des Biogas-Orchesters
Ohne Nickel läuft in der Biogasanlage nichts – zumindest nicht effizient. Es ist der unsichtbare Dirigent, der Enzyme aktiviert, Giftstoffe entschärft und die Methanproduktion am Laufen hält. Wer seine Anlage optimieren will, sollte Nickel nicht als „nice-to-have“, sondern als Pflichtkomponente behandeln. Denn manchmal steckt der größte Hebel in den kleinsten Details.

